Mini-Work
Was ist The Work?
The Work von Byron Katie, auch bekannt als IBSR, Inquiry-Based Stress Reduction, ist eine Methode, mit der du stressige Gedanken untersuchst. Mit vier einfachen Fragen und den Umkehrungen schaust du dir einen Gedanken genau an, der dir zu schaffen macht. Oft verliert er dabei seine Macht über dich. Wähl unten ein Thema und schau zu, wie das in der Praxis aussieht.
Wähl ein Thema
Thema: FreundinAnderes Thema wählen
„Meine Freundin sollte sich öfter bei mir melden.“

Die Situation
Sonntagabend. Lena sitzt auf dem Sofa und schaut zum dritten Mal in einer Stunde aufs Handy. Von Julia, ihrer besten Freundin, kam seit Tagen nichts.
Ein Satz geht ihr durch den Kopf. Sie schreibt ihn auf und sieht ihn sich an.
Frage 1 von 4
Ist das wahr?
Ja. Früher haben wir fast jeden Tag geschrieben. Jetzt höre ich manchmal eine Woche nichts von ihr.
Frage 2 von 4
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Nein. Ich weiß nicht, was bei ihr gerade los ist. Ich weiß nur, dass ich es mir anders wünsche.

Frage 3 von 4
Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
Ich schaue ständig aufs Handy. Mein Bauch zieht sich zusammen. Im Kopf schreibe ich ihr Vorwürfe, und dann schreibe ich gar nichts. Ich fühle mich vergessen und ein bisschen klein.
Frage 4 von 4
Wer wärst du ohne diesen Gedanken?
Ich säße einfach hier, an einem ruhigen Sonntagabend. Vielleicht würde ich mich auf unser nächstes Treffen freuen. Ich wäre nicht gekränkt. Ich wäre einfach ihre Freundin.

Umkehrung 1 von 3 · zu mir selbst
„Ich sollte mich öfter bei mir melden.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Ich frage mich selten, wie es mir eigentlich geht. Heute Abend habe ich eine Stunde aufs Handy gewartet, statt zu merken, dass ich müde bin und eine Pause brauche.
Umkehrung 2 von 3 · zum anderen
„Ich sollte mich öfter bei meiner Freundin melden.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Seit Julia umgezogen ist, habe ich sie kein einziges Mal zuerst angerufen. Ich warte immer, dass sie anfängt.
Umkehrung 3 von 3 · ins Gegenteil
„Meine Freundin sollte sich nicht öfter bei mir melden.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Sie hat einen neuen Job und ein kleines Kind. Sie meldet sich so oft, wie es für sie gerade geht. Und wenn sie sich meldet, ist sie ganz da.
Der Satz ist derselbe geblieben. Nur hält er nicht mehr so fest.
Thema: HausaufgabenAnderes Thema wählen
„Mein Kind sollte seine Hausaufgaben machen.“

Die Situation
Kurz nach sechs. Katrin steht in der Tür zum Kinderzimmer. Paul sitzt seit einer halben Stunde am Schreibtisch und schaut aus dem Fenster. Das Heft ist noch leer.
Katrin merkt, wie ihr Nacken hart wird. Sie nimmt sich den Satz vor, der gerade in ihr laut ist.
Frage 1 von 4
Ist das wahr?
Ja, natürlich. Er muss sie morgen abgeben.
Frage 2 von 4
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Nein. Ich kann nicht wissen, ob das für ihn gerade das Wichtigste ist. Ich weiß nur, dass ich es will.

Frage 3 von 4
Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
Ich verschränke die Arme und werde streng. Ich höre mich reden wie meine eigene Mutter. Paul zieht den Kopf ein. Am Ende streiten wir, und das Heft ist immer noch leer.
Frage 4 von 4
Wer wärst du ohne diesen Gedanken?
Ich würde mich zu ihm setzen. Vielleicht würde ich fragen, was er da draußen sieht. Ich wäre ruhig und neugierig. Ich wäre seine Mutter, nicht seine Aufseherin.

Umkehrung 1 von 3 · zu mir selbst
„Ich sollte meine Hausaufgaben machen.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Meine Aufgabe ist es, ruhig zu bleiben und da zu sein. Die mache ich gerade nicht. Ich stehe in der Tür und mache Druck.
Umkehrung 2 von 3 · zum anderen
„Mein Kind sollte meine Hausaufgaben machen.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Genau das verlange ich von ihm: Er soll dafür sorgen, dass ich mich als gute Mutter fühle. Sitzt er am Heft, bin ich entspannt. Aber für meine Ruhe bin ich zuständig, nicht er.
Umkehrung 3 von 3 · ins Gegenteil
„Mein Kind sollte seine Hausaufgaben nicht machen.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Jetzt gerade macht er sie nicht. Das ist die Wirklichkeit. Nach sechs Stunden Schule braucht er vielleicht erst zehn Minuten am Fenster.
Der Satz ist derselbe geblieben. Nur hält er nicht mehr so fest.
Thema: KollegeAnderes Thema wählen
„Mein Kollege stiehlt mir meine Anerkennung.“

Die Situation
Montag, Teamrunde. Die Chefin lobt Jan für das Projekt, an dem Tobias wochenlang mitgearbeitet hat. Jan bedankt sich. Tobias’ Name fällt nicht.
Tobias steht am Rand, die Mappe fest an die Brust gedrückt. Später am Schreibtisch nimmt er sich seinen Gedanken vor.
Frage 1 von 4
Ist das wahr?
Ja. Die Hälfte der Arbeit war von mir, und kein Wort davon.
Frage 2 von 4
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Nein. Ich weiß nicht, ob er mich absichtlich weggelassen hat. Vielleicht hat er gar nicht daran gedacht.

Frage 3 von 4
Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
Mein Kiefer ist fest, ich halte die Mappe wie einen Schild. Ich rede den ganzen Tag kaum mit Jan. Abends erzähle ich zu Hause, wie unfair das war. Meine eigene Arbeit sehe ich dabei gar nicht mehr.
Frage 4 von 4
Wer wärst du ohne diesen Gedanken?
Ich würde mich über das gelungene Projekt freuen. Ich würde sehen, was ich selbst dazu beigetragen habe. Vielleicht würde ich einfach sagen: Diesen Teil habe ich gebaut.

Umkehrung 1 von 3 · zu mir selbst
„Ich stehle mir meine Anerkennung.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Als das Projekt fertig war, habe ich mich nicht einmal kurz darüber gefreut. Ich habe nur darauf gewartet, dass die Chefin es sieht.
Umkehrung 2 von 3 · zum anderen
„Ich stehle meinem Kollegen seine Anerkennung.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Jan hat die Präsentation gebaut und gehalten. Das war gute Arbeit. In meinem Kopf gönne ich ihm das Lob nicht.
Umkehrung 3 von 3 · ins Gegenteil
„Mein Kollege stiehlt mir meine Anerkennung nicht.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Er hat nicht behauptet, alles sei von ihm. Er hat gesprochen, und ich habe geschwiegen. Meine Arbeit ist noch da. Sie gehört mir.
Der Satz ist derselbe geblieben. Nur hält er nicht mehr so fest.
Thema: NachbarinAnderes Thema wählen
„Meine Nachbarin raubt mir meine Ruhe.“

Die Situation
Donnerstagabend. Martin will lesen. Von nebenan kommt Musik, gedämpft, aber hörbar. Das Buch liegt längst neben ihm.
Er sitzt aufrecht und horcht zur Wand. Dann holt er Luft und sieht sich an, was er da denkt.
Frage 1 von 4
Ist das wahr?
Ja. Jeden Abend dasselbe. Ich komme hier einfach nicht zur Ruhe.
Frage 2 von 4
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Nein. Eben war es eine ganze Weile still, und ich habe trotzdem gelauscht.

Frage 3 von 4
Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
Ich horche auf jedes Geräusch und warte darauf, dass es wieder losgeht. Mein Atem ist flach. Das Buch habe ich vergessen. Im Kopf schreibe ich ihr schon einen Zettel für den Briefkasten.
Frage 4 von 4
Wer wärst du ohne diesen Gedanken?
Ich wäre ein Mann auf seinem Sofa mit einem guten Buch. Die Musik wäre ein Geräusch unter vielen, wie Regen oder die Straße. Ich wäre zu Hause, bei mir.

Umkehrung 1 von 3 · zu mir selbst
„Ich raube mir meine Ruhe.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Ich lege das Buch weg und horche auf jedes Geräusch. Das Horchen hält mich wach. Die Musik ist leise, mein Kopf ist laut.
Umkehrung 2 von 3 · zum anderen
„Ich raube meiner Nachbarin ihre Ruhe.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Letzte Woche habe ich zweimal gegen die Wand geklopft. Im Treppenhaus grüße ich sie kaum. Ganz ruhig ist es mit mir als Nachbarn vermutlich auch nicht.
Umkehrung 3 von 3 · ins Gegenteil
„Meine Nachbarin raubt mir meine Ruhe nicht.“
Wo ist das genauso wahr oder wahrer?
Sie hört abends Musik in ihrer Wohnung. Das ist alles, was sie tut. Ob ich ruhig bin, entscheidet sich hier auf meinem Sofa.
Der Satz ist derselbe geblieben. Nur hält er nicht mehr so fest.



